Drehbank einstellen & ausrichten leicht gemacht!

Egal ob Hobbybastler oder Vollprofi, jeder möchte mit seiner Drehbank präzise arbeiten können, um somit die besten Ergebnisse zu erzielen. Oftmals müssen die fertigen Drehteile dabei auch Toleranzen im hundertstel Millimeter Bereich einhalten. Dies gelingt jedoch ausschließlich mit einer perfekt eingestellten Drehbank. Dieser Artikel dient dazu es Dir leicht zu machen selber Deine Drehmaschine auszurichten.

Schritt für Schritt

Da es sich bei einer Drehbank um eine komplexe Maschine mit mehreren beweglichen Teilen handelt, ist es sinnvoll sich die nötige Zeit für das Drehbank einstellung zu nehmen. Je nach Ausgangssituation kann dies durchaus mehrere Stunden in Anspruch nehmen und erfordert darüber hinaus den Einsatz von verschiedenen Messinstrumenten sowie eines runden Werkstücks mit mindestens 300 mm Länge.

Spitzenhöhe der Drehmaschine richtig einstellen


Zu Beginn sollte man aus einem Werkstück einen Kegel drehen. Im Anschluss daran kurbelt man einfach den Support inklusive Körnerspitze so nah wie möglich an das spitze Werkstück heran. Unter Zuhilfenahme eines Vergrößerungsglases kann man auf diese Weise bereits gröbere Verstellungen erkennen. Falls keine Abweichung festzustellen sind umso besser, aber falls doch, solltest Du die Drehbank einstellen.
Falls kein Unterschied erkennbar ist, Du aber trotzdem ganz auf Nummer sicher gehen willst, wird die Abweichung ausgemessen.

Wie das geht, erfährst Du im nächsten Abschnitt

Messen der Abweichungen

Hiermit stellen wir fest wie groß die Seiten- und Höhenabweichung von Spindelstock zu Reitstock sind. Dafür wird ein Puppitaster ins Drehfutter gespannt und in den Morsekegel des Reitstocks geführt. Im Anschluss daran wird das Futter um 360 Grad gedreht und der Mittelwert gebildet.
Seitlich lässt sich der Reitstock über eine Einstellschraube verstellen, die Einstellung der Höhe ist unterdessen etwas komplizierter. Sollte der Reitstock höher sein als der Spindelstock sollte man Letzteren mit einem entsprechend dickem Blech unterlegen und abermals vermessen.

Die Arbeitsspindel

Zu Beginn sollte erst einmal der Rundlauf der Hauptwelle der Arbeitsspindel überprüft werden. Dazu wird eine Messuhr mittels Magnethalter an der Drehbank angebracht und die Messspitze der Messuhr auf die Welle ausgerichtet. Je nach Hersteller verfügen die Maschinen über einen unterschiedlich spielfreien Lauf. Der so ermittelte Wert sollte die Angaben des Herstellers jedoch auf keinen Fall überschreiten.

Sollte das Spiel generell größer als 0,05 mm sein, ist es sogar für den Hobbybereich zu viel. Eine so laufende Hauptwelle lässt sich nur unter größerem Arbeitsaufwand wieder richten. Dazu muss jene ausgebaut werden, alle Auflageflächen penibel gereinigt, und bestenfalls die Lager erneuert werden.
Gerade bei älteren Modellen kann es hier zu Schwierigkeiten kommen, da manchmal keine passenden Ersatzteile mehr erhältlich sind. Anschließend wird alles mit etwas Lagerfett versehen und wieder zusammengefügt. Das Anziehen der Welle sollte mit Gefühl erfolgen und lediglich handfest sein. Zu starker Anzug schlägt sich sonst auf die Lager nieder und diese verschleißen rapide. Ist die Welle montiert wird abermals der Rundlauf geprüft.
Stimmt dieser nun immer noch nicht liegt der Verdacht nahe, dass der Spindelstock verzogen ist. In diesem Fall ist ein Nacharbeiten fast unmöglich und der Bezug einer neuen Drehbank meist wesentlich kostengünstiger.
Bei neuen Maschinen sollte dieses Unterfangen eigentlich überhaupt nicht nötig sein aber gerade bei günstigen Drehbänken kann es trotzdem immer wieder vorkommen.

Arbeitsspindel vertikal ausrichten

Ist die Hauptwelle moniert beginnt das eigentliche Einstellen der Drehbank. Dazu wird ein etwa 300 mm langes Werkstück sowie eine Messuhr benötigt. Ausschlaggebend ist, dass das Werkstück wirklich rund ist, andernfalls verfälscht dies die Messergebnisse. Das Werkstück wird mit einem Überstand von etwa 200 bis 250 mm eingespannt. Daraufhin werden zwei Messstellen markiert. Die erste sollte sich nah am Futter befinden, wohingegen die zweite beinahe am Ende des Werkstücks liegen sollte. Im Anschluss daran montieren wir die Messuhr auf dem Support und fahren die Messspitze an die zweite Messstelle. Wichtig ist hierbei, dass die Messspitze senkrecht auf das Werkstück trifft.
Nun drehen wir das Werkstück einmal um die eigene Achse und nullen die Messuhr bei dem geringsten Wert. Im Folgenden wird das Werkstück abermals um 360 Grad gedreht und sowohl der kleinste als auch der größte ermittelte Wert notiert. Ebenso verfahren wir bei der ersten Messstelle.

Nun werden die Mittelwerte der jeweiligen Messergebnisse untereinander verglichen. Dort, wo der Mittelwert geringer ausfällt, neigt sich der Spindelstock hin und muss ausgeglichen werden. Ermitteln wir also beispielsweise Messstelle 1 (nahe am Futter) einen Wert von 1,02 mm und an Messstelle 2 1,04 mm neigt sich der Spindelstock somit leicht hinten. Um dies auszugleichen muss der Spindelstock an der hinteren Befestigung also mit einem 0,02 mm dickem Blech (Differenz zwischen 1,02 und 1,04 mm) unterlegt werden. Im Anschluss daran wird der Vorgang des Messens und Unterlegens so lange wiederholt bis das Ergebnis passt.

Arbeitsspindel horizontal ausrichten

Der Ablauf des horizontalen Ausrichtens ist derselbe wie bereits beim vertikalen, mit dem einzigen Unterschied, dass die Messspitze nun im 90 Grad Winkel seitlich auf das Werkstück trifft. Wieder werden beide ermittelten Mittelwerte miteinander verglichen und der Spindelstock in die entsprechende Richtung getrieben. Dies erledigt man idealerweise mit einem Gummihammer um dem Material keinen Schaden zuzufügen. Dazu wird der Spindelstock gleichmäßig angezogen, jedoch noch nicht vollständig, so dass er sich unter den Hammerschlägen noch ein wenig bewegen kann. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Am besten ermittelst Du nach jedem Schlag die Werte erneut bis das Ergebnis passt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sowohl der Vorgang des vertikalen als auch des horizontalen Ausrichtens einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Lass Dich deswegen aber nicht entmutigen und achte stets auf sauberes Arbeiten. Nachdem Du schließlich die passende Ausrichtung gefunden hast kannst Du den Spindelstock wieder festziehen. Bestenfalls verwendest Du dafür einen Drehmomentschlüssel und die entsprechenden Angaben des Herstellers. Ziehe die Schrauben immer gleichmäßig und über Kreuz an, ansonsten kann sich der Spindelstock dabei verziehen und Du musst die horizontale Ausrichtung von Neuem vornehmen.
Ist alles erledigt wird nochmals vermessen und bei Bedarf muss der Vorgang wiederholt werden.

Daraufhin ist das Einstellen der Drehbank erledigt und die Arbeitsergebnisse sollten nun selbst höchsten Ansprüchen genügen.

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