Fräsen mit der Drehbank

Um Drehteile präzise fertigen zu können sind Drehmaschinen bestens geeignet. Manchmal reicht das aber nicht aus und man benötigt für ein Projekt zusätzlich noch gefräste Werkstücke. Nicht immer brauchst du in diesem Fall dann aber zwangsläufig eine Fräse dafür anzuschaffen, teils kannst du das auch mit deiner Drehbank bewerkstelligen.

TIPP: Bei kleinen Mengen oder Einzelteilen ist es für gewöhnlich deutlich günstiger, diese nach seinen Wünschen einfach fertigen zu lassen, anstelle sie selbst zu fräsen.

Besonders kleinere Werkstücke und weiche Materialien lassen sich mit einem entsprechenden Umbau auch auf der Drehbank fräsen. Dieser Artikel soll dir dabei helfen selbst Frästeile mit deiner Drehmaschine herstellen zu können!

Unterschied zwischen Drehen und Fräsen

Sowohl das Drehen als auch das Fräsen fallen beide unter den Begriff des spanenden Verfahrens. Dies bedeutet, dass bei beiden Vorgängen Material unter Entstehung von Spänen abgetragen wird.
Der Unterschied zwischen Drehen und Fräsen besteht in der Art der Ausführung.

Beim Drehen wird das Werkstück ins Drehfutter gespannt und anschließend in Rotation versetzt. Das Werkzeug, der Drehmeißel, wird in den Werkzeughalter auf dem Schlitten eingespannt. Daraufhin wird die Schneidfläche des Werkzeugs an den Punkt herangefahren, wo das gewünschte Material abgetragen werden soll. Durch die Rotation des Werkstücks wird nun gleichmäßig Material abgetragen und es kommt zur Spanbildung.
Somit lässt sich also festhalten, dass beim Drehen das Werkstück selbst bewegt wird, wohingegen das Werkzeug fest arretiert ist.

Fräsen funktioniert gemäß eines anderen Prinzips. Hier ist das Werkstück starr eingespannt, und das Werkzeug, der Fräskopf, ist hingegen frei beweglich. Das rotierende Werkzeug kann sowohl horizontal und vertikal als auch vor und zurückbewegt werden. Dadurch kann der Materialabtrag an einer beliebigen Stelle am Werkstück erfolgen und ist nicht länger an die runde Form der Drehteile gebunden.
Beim Fräsen bewegt sich somit das Werkzeug und das Werkstück ist arretiert.

Die Lösung: Höhensupport für Drehmaschine

Prinzipiell muss eine Drehbank, damit man auf ihr auch Fräsen kann, etwas umfunktioniert werden. Das Drehfutter fungiert fortan als Fräsfutter. In ihm wird der Fräskopf samt erforderlicher Spannzange eingespannt.Damit ist die erste Hälfte des Umbaus bereits getan.

Jetzt folgt der etwas kniffeligere Teil des Unterfangens, einen geeigneten Höhensupport zu organisieren. Dabei bieten sich zwei Möglichkeiten:

Höhensupport selber bauen

Als eingefleischter Bastler tendiere ich natürlich immer zum eigenständigen Fertigen von Werkzeug. In diesem Fall hält sich der Aufwand auch tatsächlich in Grenzen und zudem ist das Ganze noch relativ einfach durchzuführen.
An Material wird dafür lediglich eine Stahlplatte, eine Halterung, beispielsweise von einem Bohrständer sowie passende Schrauben und Muttern benötig. Ziel ist es, den Halter auf der Stahlplatte zu montieren. Diese wird daraufhin frontal am Werkzeughalter der Drehbank eingespannt. So lässt sich das Frässtück direkt gegenüber der Arbeitsspindel einspannen.
Zugeführt wird der Werkzeugschlitten und damit auch das Werkstück mittels Reitstock. Jener wird nahe an den Schlitten herangefahren und in dieser Position dann arretiert. Nun kann der Schlitten bequem über die Handräder bewegt werden und das Werkstück zu- oder abgeführt werden.

Hier findest du ein Video, was den Vorgang sehr schön beschreibt:

Höhensupport kaufen

Als ich anfing mich fürs Drehen zu interessieren, existierten noch keine fertigen Lösungen, um eine Drehbank einfach in eine Fräse umfunktionieren zu können. Diese Umstände haben sich mittlerweile jedoch grundlegend geändert.
Heutzutage gibt es mehrere Werkzeughersteller, welche auch fertige Höhensupporte anbieten. Damit hat man keinen Arbeitsaufwand und kann sofort loslegen.

Andererseits ist es doch aber eigentlich viel schöner den Support selbst herzustellen, zudem kann man diesen dann genau auf seine Bedürfnisse anpassen.

Mit Drehbank fräsen sinnvoll?

Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, dem ist bereits aufgefallen, dass das Fräsen mit der Drehbank schon allein technisch erhebliche Unterschiede zum eigentlichen Fräsen aufweist. Zwar rotiert auch hier das Werkzeug, das Werkstück ist hingegen aber nicht starr arretiert, sondern wird auf dem Schlitten bewegt. Somit ist das Fräsen auf der Drehmaschine also mehr oder weniger ein Hybrid aus beiden Varianten.

Zwar rotiert der Fräser, kann jedoch nicht bewegt werden. Ebenso das Werkstück, es dreht sich zwar nicht, muss aber dennoch für den Spanabtrag bewegt werden.

Wenn du nicht oft eine Fräse benutzen solltest, so ist diese Methode in Ordnung. Beachten solltest du allerdings, dass beim Fräsen härterer Werkstoffe wie beispielsweise Edelstahl erheblich höhere Kräfte auftreten können als bei weichem Material wie Aluminium.

Generell bin ich auch aus dem Grund kein Freund davon, weil schon allein die Lagerung der Arbeitsspindel gar nicht für seitliche Krafteinwirkung in diesem Maß ausgelegt ist. Ein Drehteil steht in der Regel entweder nur etwas über das Drehfutter hinaus oder wird am anderen Ende von der Körnerspitze getragen. So entstehen keine großen Seitenkräfte für die Lager der Arbeitsspindel.
Wird in diese hingegen der Fräser eingespannt, so kann es hier zu erheblichen höheren Seitenkräften kommen.
Je härter das Material und großer die Vorschubgeschwindigkeit, desto größer ist gleichzeitig der Verschleiß der Lager.

Fazit

Im Allgemeinen nutze ich die Drehbank fast nie um etwas zu fräsen. Nicht nur, dass der Umbau immer wieder rückgängig gemacht werden muss, um die eigentliche Funktion nutzen zu können, zusätzlich können auch noch die Lager der Arbeitsspindel erheblich schneller dadurch verschleißen. Dieser Nachteil und der umständliche Gebrauch in der Praxis machen die Verwendung einer Drehmaschine als Fräse für mich persönlich unattraktiv.

Nichtsdestotrotz, benötigst du nur gelegentlich Frästeile, kann sich die Investition in einen Höhensupport durchaus als lohnenswert herausstellen. Ob Eigenbau oder Fertigteil bleibt dabei deinem persönlichen Geschmack und Vorstellungen überlassen.
Solltest du aber regelmäßig etwas fräsen wollen, so empfehle ich dir unbedingt die Anschaffung einer richtigen Fräsmaschine.

2 Comments

  • Eggers

    18. Juni 2017

    Danke, dass du hier den Unterschied zwischen Drehen und Fräsen mal richtig erklärst. Gibt ja doch sehr viele, die das nicht verstehen – so zumindest meine Erfahrung

    Reply
  • CNC Lohnfertigung

    22. Januar 2018

    Eigentlich eine witze Idee, wir benutzen unsere Drehbank auch hin und wieder als Fräsmaschine, wenn unsere Fräsmaschinen belegt sind… aber ohne Höhenverstellung, sondern nur für einfache Nuten. Aber auf die Idee wäre ich nicht gekommen.

    Reply

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